FAQ

Hier finden Sie Anworten auf häuffige Argumente der Befürworter des Autobahnzubingers Obfelden/Ottenbach.

Verkehrssicherheit / Verkehr im Dorf

Die Dorfbevölkerung von Ottenbach und Obfelden leidet unter dem enormen Verkehrsaufkommen. Die Gegner gewichten die Erhaltung des Lebensraumes und den Naturschutz höher als den Schutz der Bevölkerung und der Kinder.

Der Autobahnzubringer bringt keine Verbesserung für das Dorf Ottenbach. Er trägt nichts zur Entlastung auf der Nord-Süd-Achse (Jonen-Obfelden) bei. Auch die Belastung der Verbindung von der Reussbrücke nach Zwillikon bleibt unverändert.
Die erhoffte Entlastung auf der Verbindung Reussbrücke – Obfelden, welche nicht mehr über die Engelkreuzung verkehren muss, wird durch die Verkehrszunahme wieder zu Nichte gemacht. Diese Zunahme wird erst durch diesen Strassenbau ermöglicht.
In Obfelden ist ein grosser Teil des Verkehrs hausgemacht. Der Durchgangsverkehr ist gering. Auch hier gilt, dass die neue Strasse zu einer generellen Verkehrszunahme führt, welche zu einer Belastung der Dorfbevölkerung führt.

Nur mit der Umfahrung kann der Stau aus den Dörfern geholt werden.

Ein Ausbau der Verkehrskapazität, dass es auch in der Spitzenzeit kein Stau gibt, ist weder sinnvoll noch finanzierbar. Mit Dosierungsanlagen an den Ortseingängen kann der Stau ausserhalb des Siedlungsgebietes verlagert werden. Solche Konzepte sind vielerorts schon umgesetzt.
Obfelden hat einen hohen Anteil an hausgemachtem Verkehr. Dieser wird auch durch die Umfahrung nicht verschwinden. Insbesondere, da in Obfelden noch ein Einkaufzentrum in Planung ist.

Die Kinder sind auf ihrem Schulweg täglich den Gefahren der Strasse ausgesetzt.

Die Sicherheit von Fussgängern, namentlich von Kindern auf dem Schulweg, ist durch andere Massnahmen zu erhöhen als durch neue Strassen. Eine Temporeduktion auf Tempo 30 – mindestens während den Schulzeiten – ist eine schon mehrfach erfolgreich erprobte Massnahme.
Im Kanton Graubünden konnten in den bis heute realisierten Tempo 30 Zonen auf Hauptachsen die Anzahl der Unfälle gesamthaft um mehr als die Hälfte gesenkt werden.[1]
Weiter sind schwach befahrene Strassen nicht weniger gefährlich als Strassen mit viel Verkehr. Einzig eine Temporeduktion bringt zusätzliche Sicherheit.

Wer die Kinder schützen will muss für den Autobahnzubringer stimmen

Der Zubringer eröffnet eine hindernisfreie und schnelle Verbindung für den Verkehr aus dem Kt. Aargau zur Autobahn. Es wird noch ein bisschen attraktiver, mit dem Auto nach Zürich, Luzern oder in den Süden zu fahren.
Der Siedlungsdruck im Freiamt wird noch etwas stärker werden und neuen Verkehr erzeugen. Aber auch in Birri oder Muri wohnen Schulkinder...

Mit einer Umfahrung wird der Dorfkern von Ottenbach vom Verkehr entlastet.

Eine von der Gemeinde Ottenbach im Jahr 2002 in Auftrag gegebene Studie [2] kommt zu folgendem Schluss: “Auf Grund der heute relativ starken Beziehung zwischen der Jonen- und der Affolternstrasse lässt sich nur ein vergleichsweise kleiner Anteil auf eine Umfahrung verlagern (vgl. dazu Knotenströme in Abbildung 2). Die Entlastung des Dorfkerns liegt bei weniger als 3'000 Fahrten pro Tag.” “Absolut wird sich die Belastung auf der Affolternstrasse aber immer noch im Bereich von rund 6'000 Fahrzeugen im Tag bewegen.”

Tempo 30 ist auf Hauptstrassen nicht möglich.

Regelmässig wird behauptet auf Hauptstrassen im Kanton Zürich sei Tempo 30 nicht möglich ist. Es würde der gängigen Paxis des Kantons widersprechen. Was aber hindert den Kanton daran, seine gängige Praxis zu hinterfragen, wie dies z.B. der Kanton Graubünden gemacht hat? Dort ist Tempo 30 auf Durchgangstrassen verbreitet, wie z.B. in Disentis auf der Oberalp Passstrasse. Dort ist die Hauptstrasse in die Tempo 30 Zone der umliegenden Quartiere eingebettet. Es gibt noch weitere Beispiele: Köniz BE mit einer stark befahrenen Strasse oder Maienfeld GR. So etwas könnte sich der Kanton Zürich zum Vorbild nehmen: Flächendeckend Tempo 30, sowohl in den Quartieren, als auch auf den Durchgangsstrassen.
Das Argument, dass Tempo 30 auf der Durchgangsachse zu Ausweichverkehr in den Quartieren führen kann mag vielleicht an gewissen Orten stimmen, aber im Strassendorf Obfelden ist dies eher nicht vorstellbar. Insbesondere, wenn man auch die Quartierstrassen mit entsprechenden Massnahmen beruhigen und Begegnungszonen erstellen würde.
Eine weitere Möglichkeit wäre auch die Einführung von Tempo 30 zu bestimmten Zeiten, z.B. während der Schulwegzeit.
Man soll sich nicht hinter bestehenden Richtlinien und Normen verstecken, sondern kreativ weiterdenken. Nehmen wir also die Chance war und sagen mit einem Nein zum Autobahnzubringer auch Nein zu neuen Strassen und mehr Verkehr und Ja zu einer intakten Umwelt.

Verkehr allgemein

Der öffentliche Verkehr profitiert vom Autobahnzubringer weil der Bus nicht mehr im Stau stecken bleibt.

Problematisch für den Bus ist die Hirschenkreuzung Muristrasse - Dorfstrasse in Obfelden. Dieser Knoten muss infolge der flankierenden Massnahmen so oder so umgestaltet werden, eine Ampel mit bevorzugung des Buses, oder sogar eine zusätzliche Busspur wäre auch ohne Umfahrungen möglich.
Die Befürworter behaupten, der Bus bleibe nach dem Bau des Zubringers nicht mehr im Verkehr stecken. Doch auch der umgeleitete Verkehr muss beim Hirschen mit demjenigen der Dorfstrasse verflochten werden und wird dort einen Rückstau auf der Dorfstrasse bewirken. Dieser blockiert den Bus (Linien 212 und 217) angesichts des zu erwartenden Mehrverkehrs vermutlich noch stärker als heute.

Falls der Kredit abgelehnt wird, gibt es auf lange Sicht keine Lösung für das Verkehrsproblem. Der vom Bund zugesicherte Beitrag verfällt.

Es ist Aufgabe von Kanton und Gemeinden Massnahmen auf dem bestehenden Strassennetz umzusetzen. Dazu sind Verkehrsberuhigungsmassnahmen auch auf dem Hauptstrassennetz vorzusehen. Die bestehenden Flankierenden Übergangsmassnahmen müssen umgebaut werden.
Der vom Bund zugesicherte Betrag ist an das Projekt "Autobahnzubringer A4 Obfelden/Ottenbach" gebunden. Die Ausarbeitung dieses Projektes liegt jedoch in den Händen des Kantons Zürich. In der jetzigen Form ist das Projekt ungeeignet und abzulehnen, die Regierung soll ein Projekt vorlegen, welches den Verkehr auf dem bestehenden Strassennetz bewältigen kann. Auch ein solches Projekt ist teil der Fertigstellung des Nationalstrassennetzes und sollte vom Bund mit dem zugesicherten Betrag unterstützt werden.

Wird der Kredit abgelehnt fallen gemäss Experten für den Kanton Zürich Kosten in der Höhe von 20 Millionen Franken an.

Mit diesem Betrag sollen die bestehenden verkehrsberuhigenden Übergangsmassnahmen definitiv gestalltet und die Ortsdurchfahrten massiv ausgebaut werden. Ob ein Ausbau in diesem Masse notwendig ist, ist fraglich, dass die Ortsdurchfahrten jedoch sicher und siedlungsverträglich Ausgestaltet werden sollen ist unumstritten. Der Kanton sollte auch bei einem solchen Projekt auf den vom Bund zugesichterten Betrag bestehen, da es sich um Bauten handelt, die durch den Bau der Autobahn notwendig wurden.

Verkehr muss fliessen, nur dann ist er effizient.

Neue Strassen generieren neuen Verkehr. Mit einem Ausbau des Strassennetzes im Raum Obfelden / Ottenbach entstehen neue Probleme im Bereich des Anschlusses Affoltern. Umfahrungslösungen werden auch bereits in Birri diskutiert. Die Verkehrsprobleme können nicht durch neue Strassen gelöst werden.
Der Autobahnzubringer bringt vielleicht kurzfristig eine Entlastung der Dörfer. Wie man jedoch an verschiedenen Orten im Säuliamt sieht, steigen die Verkehrszahlen danach rasch wieder an.

Nur der Autobahnzubringer kann den Durchgangs- und Schwerverkehr reduzieren.

Insgesamt nimmt der Verkehr mit einer neuen Strasse immer zu. Zur Reduktion der Verkehrsmenge, auch innerhalb der Dörfer, sind andere politische Werkzeuge vorhanden. Von Temporeduktionen über Dosieranlagen bis hin zu temporären Fahrverboten ist alles Denkbar und könnte, falls der politische Wille vorhanden ist, auch erprobt werden.

Naherholungsgebiet

Die Umfahrung führt nicht durch ein Naherholungsgebiet und beeinträchtigt dieses nicht.

Für Spazierende beginnt das Naherholungsgebiet vor der Haustüre oder am Dorfrand. Die Umfahrung Ottenbach unterbricht stark frequentierte Spazierwege und erzeugt Strassenlärm.

Flachmoor

Der Autobahnzubringer führt nicht durch die Moorlandschaft.

Der Autobahnzubringer führt entlang der Moorlandschaft. Sie ist mit dem anschliessenden Kulturland ein wichtiger zusammenhängender Lebensraum für eine vielfältige Flora und Fauna. Speziell zu erwähnen sind die Laubfroschpopulation, welche auf der neuen Strasse gefährdet wird.
«Aus naturschutzrechtlicher Sicht bestehen jedoch weiterhin Zweifel, ob die ungeschmälerte Erhaltung des Flachmoors nach Art. 4 der Flachmoorverordnung vom 7. September 1994 (SR 451.33) und die nach Art. 6 des Bundesgesetzes vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz (NHG, SR 451) grösstmögliche Schonung sichergestellt sind. Auch aus Sicht des Landschaftsschutzes, vor allem aber aus Sicht der Denkmalpflege bringt das Projekt nach wie vor grosse Probleme mit sich. Der zur Verfügung stehende Raum ist zu knapp bemessen, um den Anliegen des Natur- und Landschaftsschutzes sowie der Denkmalpflege gleichermassen zu genügen.» [3]

Die Befürworter behaupten, die Moorlandschaft sei versandet und deshalb nicht mehr schützenswert.

Die Moorlandschaft ist nach wie vor Heimat von seltenen Pflanzen wie der Schwertlilie, Brutplatz für Bodenbrüter oder sie wird z.B. auch vom Storch bei der Futtersuche aufgesucht.
An einer Infoveranstaltung vom 5. Mai 2012 wurde von den Experten der Kantonalen Fachstelle erklärt, dass die Überschwemmung mit Sand und Kies im Jahre 2005 praktisch nicht mehr erkennbar ist. Offenbar sind die Pflanzen durch den Sand gewachsen und das Ried im Zustand von vorher angelangt. Das Moor hat sich von den Überflutungen und Sandablagerungen erholt. Stolz zeigte der Naturberater zwei Halme von kommenden Lilien, Blätter von speziellen Herbstzeitlosen, Gräser und viele andere Blumenarten, welche nur in Feuchtgebieten wachsen können. [4]

Das Moor wird durch die Begleitmassnahmen aufgewertet.

Diese Aufwertungen könnten auch ohne eine Umfahrung Ottenbach durchgeführt werden. Beispielsweise im Rahmen eines umfassenden Hochwasserschutzprojektes.
Dass Aufwertungen in Naturschutzgebieten auch ohne neue Strassen möglich sind hat der Kanton Aargau auf der anderen gegenüberliegenden Seite der Reuss und der Kanton Zürich z.B. bei den Thurauen bewiesen.

Naturschutzgebiet / Landschaftsschutzgebiet

Der Autobahnzubringer führt nicht durch das Naturschutzgebiet.

Das Naturschutzgebiet wird durch die neue Strasse beeinträchtigt, da das Trassee direkt angrenzend daran verläuft.
Als schützenswerter Lebensraum einer reichhaltigen Tier- und Pflanzenwelt wird das zusammenhängende Ökosystem durch die Strasse zerschnitten. Als Naherholungsraum verliert das Gebiet seine Funktion.
Neben dem gekennzeichneten Naturschutzgebiet des Flachmoores werden im gleichen Raum noch anderer Schutzansprüche geltend gemacht [5]. Die geplante Strasse führt durch ein Amphibienlaichgebiet [6] und ein Auengebiet [7] von nationaler Bedeutung, welche eine grössere Fläche umfassen. Weiter ist das Reusstal im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung [8][9]. Mit diesen Landschaften soll schonen umgegangen werden, ob der geplante Autobahnzubringer diesem Grundsatz entspricht ist fraglich.

Die Natur profitiert von den Begleitmassnahmen und die Naturschutzgebiete werden aufgewertet.

Diese Aufwertungen könnten auch ohne eine Umfahrung Ottenbach durchgeführt werden. Beispielsweise im Rahmen eines umfassenden Hochwasserschutzprojektes.
Dass Aufwertungen in Naturschutzgebieten auch ohne neue Strassen möglich sind hat der Kanton Aargau auf der anderen gegenüberliegenden Seite der Reuss und der Kanton Zürich z.B. bei den Thurauen bewiesen.

Die Natur wird heutzutage mehr durch den Flächenverbrauch und die Zersiedelung beeinträchtigt als durch neue Strassen.

Der Autobahnzubringer Obfelden/Ottenbach fördert jedoch die weitere Zersiedelung. Durch die Bautätigkeit im Freiamt werden neue Flächen für Pendler erschlossen und überbaut. Diesem Trend kann mit dem Verzicht auf den Autobahnzubringer entgegengewirkt werden.

Das Landwirtschaftsgebiet / Landschaftsschutzzone besteht nur noch aus Gemüsekulturen.

Für die regionale Versorgung mit Lebensmitteln sind auch Gemüsekulturen notwendig. Der Boden wird durch Schadstoffe der Strasse belastet und verliert an Qualität.

 

 Quellen und weitere Informationen

[1] Artikel von Fussverkehr Schweiz zu Tempo 30

[2] Umsetzung Agendaprozess "Läbigs Ottebach": Situationsanalyse Verkehr

[3] 4782 Beschluss des Kantonsrates über die Bewilligung eines Objektkredites für den Autobahnzubringer A4 Obfelden/Ottenbach (Weisung)

[4] Bericht über die Exkursion von Regula Ochsner

[5] Thema Schutzgebiete und Biotopinventare des Bundesamt für Umwelt BAFU

[6] pdfAuengebiet von nationaler Bedeutung Nr 92: Still Rüss Rickenbach (PDF-Datenblatt)2.96 MB

[7] pdfAmphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung (PDF-Datenblatt)1.45 MB

[8] pdfBundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung BLN Nr 1305: Reusslandschaft (PDF-Datenblatt)5.73 MB

[9] Seite des BAFU zu den Inventaren

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